Donnerstag, 21. Dezember 2006

puno

Momentan sitzen wir in einem ziemlich lauten Internetcafe. Hier laufen zwei oder drei Radiosender gleichzeitig. Ach ja, die Stadt heisst Puno, liegt ca. 3820m ueber dem Meeresspiegel am Titikakasee. Enge, laute Strassen praegen das Stadtbild. Hostelzimmer sind entweder duennbefenstert an der Strasse und dementsprechend akustisch unvorteilhaft oder die Zimmer liegen Saergen gleich im Inneren der Haeuser. Dort kann die Feuchtigkeit der intergrierten Baeder nicht abziehen und es entwickelt sich ein muffiges Aroma. Wir haben laut geschlafen. Alles was besser ist, moechte mein Geldbeutel nicht finanzieren.

Nachdem wir von Cusco aus nach Urubamba aufgebrochen sind, haben wir uns in ein Hostel einquartiert. Der Betreiber oder Betreuer war ein komischer Kautz. Er hat tagsueber Bier getrunken und des Nachts unter der Treppe mit Fernseher geschlafen. Gelegentlich war er nicht aufzufinden, so dass man in das Hostel einbrechen musste und nicht warm duschen konnte. Position und Funktion der Tuersicherung (Schieber) hatten wir uns gluecklicherweise von innen angeschaut. Der Rest war nur noch etwas Druecken und hebeln.
Zuerst wurde uns ein Doppelzimmer an der Strasse angeboten, welches wir ablehnten und uns fuer ein anderes zum Hinterhof hinaus entschieden. Ein Fehler wie sich spaeter herausstellte.
Am Ankunftstag kauften wir ein bischen Nahrung und liessen die Umhaengetasche von Katja bei einem echten peruanischen Schneider reparieren. Ja Anne, du hast gepfuscht! Man muss bemerken, das es sich bei der Tasche um echte Handarbeit von Katjas Schwester handelt. Anne konnte ja nicht wissen, dass das Taeschlein mehrer Kilo diversen Zeugs tragen muss. So gaben ein paar Naehte am Tragegurt nach. Dies beintraechtigte auf Grund der Naehredundanz zwar nicht die Funktion, wohl aber die Aesthetik.
Wie gesagt, der Schneider hat jetzt die Originalitaet zerstoert, aber sie ist jetzt vier Soles mehr wert.
Abends gab es lecker Salat - Iberia sei Dank fuer Oel und Gewuerze. Des nachts machte sich dann die brutale Gemeinheit der Oertlichkeit bemerkbar. Eigentlich fing es tagsueber ganz unscheinbar an. Ein kleines Insekt an einer kurz zuvor erstandenen Tasche, dem wir aber keine groessere Aufmerksamkeit schenkten. Nachts krabbelte es ploetzlich unter meiner Decke, ich griff zu, machte das Licht an und verfrachtete das Viech in eine fast geleerteWasserflasche. Una pulga. Ein Floh. Man kann sich vorstellen wie unsere Gesichter aussahen. Die Hoffnung, dass es sich um ein Einzelindividuum auf Irrwegen handelte verflog dann waehrend der naechsten Stunden. Katja hat schoene allergische Reaktionen auf die Bisse, ich gluecklicherweise nicht. Des morgens sind wir umgezogen und wurden auch nicht weiter behelligt.

Tagsueber wanderten wir dann in die Berge. Mein Ziel war eine Schneeballschlacht auf dem 5000er Gletscher. Aber die Zeit reichte nicht. Unglaubliche Landschaften, Kolibris, andere Voegel und Kuehe ergoetzten unser Auge. Die Kuehe sind fast so hoch gestiegen wie wir - man konnte das an Frassspuren sowie deren Endproduklte erkennen. An dem Tag selbst hielten sich die Rinder in tieferen Regionen auf. Wir mussten da auch zwischen den Tieren hindurch, was, da man in Kassel ja selten echte Kuehe trifft, anfangs etwas mulmige Gefuehle aufkommen liess. Aber das Vieh war nur neuigierig und ziemlich entspannt.
Herrliche Andenlandschaft und gutes Wetter liessen die Nacht vergessen. Auf dem Rueckweg haben wir auch noch Rudi Ruessel getroffen. Ein aeusserst neugieriges Hausschwein. Es floesste uns mit seiner Art Respekt ein. Dann erlebten wir noch den Kampf Junge gegen Jungbulle. Der Jungbulle war ausgerissen und ein vielleicht zehnjaehriger Bub versuchte ihn zurueckzudraengen. Das Rind war viel groesser, etwa gleich schnell und gegen Steinwuerfe an den Schaedel resistent. Der Knirps hatte maechtig Mut, verlor aber das Gefecht. Der Bulle aeste letztendlich auf einem Privatgrundstueck und der Junge sass erschoepft daneben.

Abends bestellte ich ein halbes Huehnchen. Ich hab noch nie ein so grosses halbes Huhn auf dem Teller gehabt - es schien auch aelter als unsere Brathaehnchen. Aufgegessen habe ich nicht, was mir etwas peinlich war.
Uebrigens ist in Peru das Rauchen an allen oeffentlichen Orten verboten - dies mal an die deutsche Politik. Ansonsten sieht man fast nur Touris mit Zigaretten, ne Kostenfrage schaetze ich. Viele Hunde gibts. Wenn jemand Angst vor Hunden hat, verliert er die hier. Die Koeter sind oft struppig und verranzt, aber meist entspannt. Es gibt wahrscheinlich pro Peruaner drei Hunde.
Von Urubamba aus gings dann per oeffentlichem Bus (Collectivo) nach Cuscvo zurueck. Von dort dann per Zug nach Puno. Die Landschaft liess die 10 stuendige Fahrt schnell vergehen.
So, jetzt geht es nach Bolivien - Copacabana. Auch am Titikakasee. Weitere Fotos demnaechst.

2 Comments:

At 22 Dezember, 2006 20:43, Anonymous stefan said...

na ..noch nen kommentar :o) Also kuehe gibts bei wanderungen in den alpen auch. Allerdings fuehle ich mich nicht soo sicher wenn ich dann direkt ueber ne alm-weide stapfe. Und was hunde angeht.. ich glaube ich war mal vermesser *g*.

ich weunsche dann schonmal schoene weihnachten (jetzt aus C)
der stefan

 
At 23 Dezember, 2006 17:13, Blogger anne said...

umhängetaschen sollen nur bedingt praktisch sein und vorwiegend schön. ausserdem war das gute stück (was ich lieber hätte selbst behalten sollen) für kassel gemacht und nicht für berg-expeditionen. naja dazu kann man nur sagen: nächstes jahr gibts dann gekauften hässlichen outdoor-funktions-scheiss in tarnfarben.

 

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